Die missbrauchte Republik – Aufklärung über die Aufklärer

Mißbrauch von Links

Roland Günz über eine lesenswerte Streitschrift: „Die mißbrauchte Republik – Aufklärung über die Aufklärer“ – linke Pädophilie in der Bundesrepublik Deutschland

Viel ist derzeit von geistigen Wegbereitern unheilvoller gesellschaftlicher Entwicklungen und Einstellungen die Rede, vor allem im Zusammenhang mit dem Wahnsinnsverbrechen des norwegischen Amokläufers Anders Breivik. Da werden schnell die Träger von warnenden Stimmen vor den Konfliktfolgen multitikultureller Gesellschaften in Europa als Stichwortgeber für politkriminelle Gewalttäter in einen denunziatorischen Zusammenhang gebracht, der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin, der deutsch-jüdische Schriftsteller Henrik M. Broder oder die national-liberale FPÖ sozusagen zu geistigen Mittätern gestempelt.

Seitens gewisser Teile des linksliberalen Meinungslagers in Deutschland ist man mit agitatorischen Schuldzuweisungen gegen Konservative und einwanderungsskeptische Patrioten hierbei schnell zur Hand. Die dabei angewandte Propaganda-Dialektik verfährt bei genauem Hinsehen nach einer Methode geistesgeschichtlicher Bankrotterklärung: Man verspricht die Rettung aus einer Gefahr, die man systematisch selbst erzeugt hat.

Doch wechseln wir die Perspektive: Ein Sammelwerk respektabler Persönlichkeiten unter der Herausgeberschaft von Andreas Späth und Menno Aden macht in einer Streitschrift (Titel: Die mißbrauchte Republik – Aufklärung über die Aufklärer, Verlag Inspiration Un Limited, Hamburg/London 2010, ISBN 978-3-9812110-2-3, 11,80 Euro) auf katastrophale Fehlentwicklungen in unseren Gesellschaften aufmerksam. Konkret: auf den Sexualmißbrauch von Kindern und Jugendlichen. Nur standen hierbei bislang vor allem die Übergriffe von kirchlichen Amtsträgern im Mittelpunkt der medialen Berichterstattung der letzten Monate. Dadurch entstand der irreführende Eindruck, als ob es ausgerechnet in der Katholischen Kirche einen qualitativen und quantitativen Schwerpunkt der verwerflichen Ereignisse gegeben habe. Wer sich jedoch auf eine genauere Sumpfvermessung der teils kriminellen Taten recherchierend einläßt, kommt zu anderen Ergebnissen.

Die elf Autorinnen und Autoren des 168 Seiten umfassenden Buches „Die mißbrauchte Republik“, unter ihnen die konservative Erfolgsautorin Christa Meves, der Rundfunkjournalist Jürgen Liminiski und Weihbischof Andreas Laun, haben sich in puncto „Sexualmißbrauch“ auch in andere Richtungen umgesehen und nennen dabei Roß und Reiter, schildern den ideologischen Hintergrund einer beängstigenden Sexualisierungsstrategie sowie aktuelle Erscheinungsformen der beklemmenden Entwicklung. Ein unerfreuliches, aber – leider – notwendiges Buch!

Gabriele Kuby, Schülerin des großen Soziologen Ralph Dahrendorf, leuchtet gleich zu Beginn die historischen Wurzeln der politisch inszenierten Sexualisierung fachkundig aus. Ziel dieser Sexualisierung sei es seit der „Französischen Revolution und der ersten Formulierung der kommunistischen Ideologie“ gewesen, die Familie zu zerstören. Überblickhaft zeichnet sie die Genese dieser zwischenzeitlich schon weitfortgeschrittenen Strategie nach, die Ende der 60er Jahre durch die sogenannte „sexuelle Revolution“ in der westlichen Welt ins Werk gesetzt wurde. Diese moderne, hedonistische Zeitgeist-Revolution habe, so Kuby, „das moralische Fundament unserer Gesellschaft massiv geschädigt.“ Schritt für Schritt seien die Gesetze abgeschafft oder verändert worden, welche bis dahin der Sexualität Grenzen gesetzt hätten, die notwendig gewesen seien, „damit der ‚besondere Schutz der staatlichen Ordnung’ für Ehe und Familie und das Erziehungsrecht der Eltern (Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Art. 6, Abs. 2) tatsächlich wirksam sind,“ so die Autorin. Dabei nennt sie als Eckpunkte dieser Negativ- Spirale: „Freigabe der Pornographie (1973), Erleichterung der Scheidung (1969), Straffreiheit der Abtreibung (1992 – 1995), vollständige Abschaffung der Straffreiheit der Homosexualität (1994), Gender-Mainstreaming als Leitprinzip der Politik (1999), Homo-Ehe (2001) und Abschaffung der Sittenwidrigkeit der Prostitution (2001).“

Als nächstes Zwischenziel auf diesem langen Marsch kultur-revolutionärer Art, der die europäischen Gesellschaften – von Deutschland ausgehend – grundlegend verändern soll, stünde nun die „Aufnahme der ‚sexuellen Identität’ ins bundesdeutsche Grundgesetz als Kriterium von Diskriminierung vor der Tür, gefordert von Grünen, Linken und der SPD“, bilanziert die Autorin, die in ihrer Jugend in der linken Studentenbewegung aktiv war und insofern besonders genau weiß, worüber sie schreibt. Mit der Aufnahme der „sexuellen Identität“ in die Verfassung „könnte dann jede Unterscheidung sexueller Präferenzen nach ihrem Wert für den Menschen und die Gesellschaft kriminalisiert werden“, warnt Gabriele Kuby, auch im Hinblick darauf, daß dann sogar Pädophile sich prinzipiell auf eine solche Bestimmung berufen könnten.

Letzterem Punkt, der gezielten Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen durch den Staat bis hin zur Enttabuisierung und Aufwertung der Pädophilie (= Geschlechtsverkehr zwischen Kindern und Erwachsenen) sind gleich mehrere Beiträge der lesenswerten Streitschrift gewidmet. Im Kapitel über „Die Pädophilenbewegung“ nimmt der (inzwischen verstorbene) Psychologe Professor Helmut Kentler eine hervorragende – wenn auch negative – Rolle ein, der als Schlüsselfigur und einer der wohl wichtigsten Männer eingestuft wird, „wenn es um den schleichenden Umbau der Normen und Werte der bundesdeutschen Bevölkerung ging. Sein Name taucht überall auf, wo es um die Rechtfertigung sexueller Beziehungen unter Jugendlichen und zwischen Jugendlichen, Kindern und Männern geht.“ (S. 132)

Im Beitrag „Triebkräfte für den politischen Kampf“ von Christa Meves resümiert die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin unter Hinweis auf Kentler: „Das letzte Ziel der Protagonisten dieser Bewegung war es, mit dem Durchbrechen der alten, angeblich starren Gesellschaftsordnung auch das bisher rechtliche Verbot sexueller Betätigung von Erwachsenen mit Kindern zu durchbrechen.“ Allerdings sei das „Programmziel der teilweisen oder völligen Entkriminalisierung pädosexueller Akte seit Ende der 90er Jahre zumindest vorerst gescheitert“, immerhin das Traumziel der sogenannten sexuellen Befreier in den 70er und 80er Jahren, berichtet Christa Meves erleichtert. Allerdings werde heute ein anderes, „eher noch überzogeneres und absurderes Maximalziel verfolgt“, nämlich: „Der aberwitzige Versuch, Millionen Menschen einzureden, es gebe von Natur aus gar keine unterschiedlichen Geschlechter im soziologischen Sinne (= ,gender‘), sondern nur Geschlechter im biologischen Sinne (= ,sex‘),“ so Meves warnend. Die Bekämpfung dieser Unterschiede sei in vollem Gange, den Polizistinnen seien die Bischöfinnen und Soldatinnen gefolgt, allerdings fehlten die „Verbrecherinnen“!

Im dokumentarischen Teil von „Mißbrauchte Republik – Aufklärung über die Aufklärer“ sind vor allem die programmatischen Selbstzeugnisse aus dem politisch grünen Lager der 70er und 80er Jahre bemerkens- und lesenswert. So z. B. ein Gesetzesentwurf zur Änderung des Sexualstrafrechts der Bundestagsfraktion der Grünen vom 4. Februar 1985, in dem sie sich für die Abschaffung der Gesetze zum Schutz Minderjähriger (§§ 175 und 182 Strafgesetzbuch) einsetzen und in dem es heißt, diese Paragraphen „bedrohen einvernehmliche sexuelle Kontakte mit Strafe und dienen damit nicht dem Schutz der sexuellen Selbstbestimmung. Sie behindern die freie Entfaltung der Persönlichkeit….“

Hierzu gehöre vor allem die Abschaffung des Schutzes minderjähriger Jungen vor homosexuellen Handlungen. Der grüne Gesetzesentwurf wörtlich: „Die Strafdrohung belastet das konfliktfreie sexuelle Erleben derjenigen Jugendlichen, die sich ihrer homosexuellen Orientierung bereits gewiß sind.“ Aus einer wahren Fülle von ähnlich gelagerten Anträgen und Äußerungen von Persönlichkeiten aus dem grün-alternativen Lager, der Humanistischen Union, der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS) sowie der Arbeitsgemeinschaft Pädophilie u. a. mehr, werden im vorliegenden Buch entlarvende Zitate angeführt, die es dem Leser ermöglichen, eine klare Einordnung der kulturrevolutionären Änderungsrichtung der Akteure zu belegen. Und wer denkt in diesem Zusammenhang nicht auch an den ehemaligen Odenwaldschüler Daniel Cohn-Bendit, dem späteren Studentenführer und heutigen Europa- Parlamentarier, der bereits 1975 in seinem Memoirenband „Der große Basar“ ausgiebig seine Erlebnisse mit Kindergartenkindern so beschrieb: „Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen. Es ist kaum zu glauben. Meist war ich ziemlich entwaffnet. Es ist mir mehrmals passiert, daß einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme …“

Wo bleibt das Positive? Manches Leitorgan der progressiven Sexualisierung im Sinne der 68er Bewegung ist nach der Schwerpunkt- Kampagne gegen die Katholische Kirche in sich gegangen. Sowohl die stets linke „Frankfurter Rundschau“ als auch die grün-alternative „TAZ“ haben über die Sexualskandale an der Odenwaldschule eines Gerold Becker ausführlich berichtet. Jenes Mannes, der wie kein anderer die Reformpädagogik predigen konnte – und doch mutmaßlich 87 Jungen teilweise gewalttätig mißbraucht hat“, wie die „TAZ“ am 9. August 2011 zu berichten wußte, in ihrem Beitrag über den Film „Geschlossene Gesellschaft“, der am selben Tag abends im ARD-Fernsehen lief und das Netzwerk zeigte, das diese Taten ermöglichte. ?

Ausgabe Nr. 34/2011, Seite 16, Rubrik: NEU DENKEN.