Die missbrauchte Republik – Aufklärung über die Aufklärer

Hintergründe und eigentliche Abgründe 

Dringend notwendige Aufklärung – Auch die Vertuschung in der katholischen Kirche wird ohne Einseitigkeit benannt

Ein ausgezeichnetes Buch über einen häufig schamhaft beschwiegenen Teil der 68er-Bewegung, die als „Aufklärer“ die Gesellschaft umkrempelten. Diese Aufklärer verstanden sich oft als progressive Elite, sie vermittelte den Eindruck, die Stimme der Vernunft in der heutigen Zeit zu repräsentieren. Nun hat der sexuelle Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche und deren langjährige Politik des „Unter-den-Tisch-Kehrens“ auch Leute aus dem geistigen Umfeld von '68 dazu animiert, christliche Kirchen und Gemeinschaften, insbesondere katholische Institutionen, unter Generalverdacht zu stellen.

Wer sind diese Kritiker, die mit der vorgeblichen Intention der Aufklärung die Kirchen angreifen? Viele dieser „Aufklärer“ haben sich im Gefolge der 68er für die „freie Liebe“ stark gemacht, zum Teil wurde „Pädo“-Sexualität entschuldigt oder gerechtfertigt. Zu diesem Milieu gehören Menschen, die ihre Ansichten von einer „besseren Welt“ in einer Weise ausgelebt haben, die nach herkömmlichen Vorstellungen oftmals als kriminell zu bezeichnen ist. Deutlich wird auch, wie die Medien hier oft mit zweierlei Maß messen. Kindesmissbrauch insbesondere im katholischen Bereich wird gebrandmarkt, während der sexuelle Missbrauch aus dem ideologisch gleichgerichteten Umfeld wie der Odenwald-Schule verharmlost oder verschwiegen wird.

„Die missbrauchte Republik“ gliedert sich in zwei Hauptteile. Im ersten Teil sind Aufsätze über Kindesmissbrauch und den Umgang damit abgedruckt, im zweiten Hauptteil wird die Ideologie der „Aufklärer“ dokumentiert.

Die schwierige Aufarbeitung von Kindesmissbrauch wird dargestellt, wobei die Vertuschung auch in der katholischen Kirche benannt wird. Die Dokumentation ist hier klar und eindeutig und überhaupt nicht einseitig. Deutlich zeigt sich allerdings, dass die tatsächliche Relation von Kindesmissbrauch in Gesellschaft und Kirche nicht der öffentlichen Wahrnehmung entspricht. Kindesmissbrauch ist leider Gottes ein großes Problem unserer Gesellschaft und nicht auf die katholische Kirche begrenzt. Die Ursachen für dieses Problem liegen nach der Studie auch im Umbau der Gesellschaft seit 1968. Das Verschwinden einer schützenden Moral aus dem öffentlichen Leben und fehlende Leitlinien haben die Individualisierung der Gesellschaft leider auch auf dieser Ebene vorangetrieben.

Deutlich wird, dass die sog. Aufklärer bestens vernetzt sind. Die Vernetzung von politischen Entscheidungsträgern, Vertretern der pädagogischen Fachwelt und Teilen der Presse in Organisationen wie der Humanistischen Union, aber auch auf anderen einflussreichen Ebenen, wird herausgearbeitet. Es wird deutlich, dass durch diese Vernetzung Fördermittel des Staates zur Untersuchung von Grenzbereichen wie Sexualität mit Kindern akquiriert wurden und werden. Im Aufsatzteil wird etwa von Gabriele Kuby mit erschreckenden Beispielen gezeigt, wie der Staat durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und Pro Familia die Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen vorantreibt und damit denen, die sich sexuell für Kinder und Jugendliche interessieren, hoffentlich unwillentlich, zuarbeitet. Dies gelingt, weil an den Schnittstellen Personen des Netzwerks tätig sind.

Fazit: Eine dringend notwendige Aufklärung über die Hintergründe und eigentliche Abgründe des Missbrauchsskandals.

Von Gerhard Herbst, 1. Januar 2011